Auf den Spuren der Vorfahren im Burgauer Schloss
Besuch aus Kanada
 
Eines Tages im März erreichte uns ein Telefonat von Frau Polidar aus Burgau. Sie erzählte, dass Sie im Mai Besuch aus Kanada bekäme, nämlich eine Urenkelin der Familie Garner, einst das erste Hausmeisterpaar im Burgauer Schloss. Sie befände sich in dieser Zeit mit Ihrem Mann auf Hochzeitsreise (Kimberley und Mark) und sie würden gerne das Burgauer Schloss besuchen, in dem ihre Urgroßeltern und ihre Großmama einst arbeiteten und lebten.
 
Für den Historischen Verein Burgau Stadt und Land ist es Ehrensache bei solchen Besuchen in allen Fragen hilfreich zur Seite zu stehen. Denn es ist für uns auch immer wieder sehr spannend, wer schon alles in Burgau lebte, was sie in unserem Markgrafenstädtchen machten und wo ihre Nachfahren nun leben.
Bei der Familie Anna und Sebastian Garner ist die letzte Frage besonders spannend!
Aber alles der Reihe nach.
In den wunderbaren städtischen Annalen von Xaver Schieferle ist zu lesen, dass der Stadtrat von Burgau im Dezember 1935 beschloss, zum 01. Februar 1936, für die Knabenschule im Schloss einen Hausmeister einzustellen. Als Entschädigung erhält er      RM 20 monatlich bei freier Wohnung und freier Beheizung.
Die Familie Garner zog nun mit vier Kinder, drei Mädchen und einem Sohn, in den ersten Stock des Schlosses. Dieses Stockwerk ist von der Deckenhöhe etwas niedriger, als die anderen Etagen und wird deshalb auch als Zwischengeschoss bezeichnet. 
Der Vorgängerbau unseres heutigen Schlosses brannte im Winter 1703/04 nieder, da in diesem Gebäude österreichische Soldaten im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges untergebracht waren. Die frierenden Soldaten zündeten das Schloss wahrscheinlich aus Unachtsamkeit an. Damit war ein Neubau erforderlich.
Vermutlich war diese erste Etage in diesem Neubau immer schon als Wohnung vorgesehen. Als das heutige Schloss ungefähr 1720, als spätbarocker Zweckbau, durch Simpert Krämer aus Edelstetten fertiggestellt war, gab es in der Markgrafschaft Burgau keinen regierenden Markgrafen mehr, sondern einen sogenannten Jurisdistriktsvogt, der auch die hohe Gerichtsbarkeit ausübte, (Kapitalverbrechen –Todesstrafe). Dieser wohnte in dem heutigen Schloss. Mit dem Abzug dieses hohen Beamten nach Günzburg (1752) verlor das Burgauer Schloss seine Bedeutung. Deshalb wurde es von den Habsburgern 1787 an den Freiherrn von Satzenhofen veräußert und nach dessen Konkurs erwarb die Stadt Burgau 1831 das schöne Gebäude.
Durch Umbauten und Einbau von drei Klassenräumen, wie der Gestaltung einer Lehrerwohnung, nutzte die Stadt Burgau von den 1830iger Jahren des 19. Jahrhunderts an bis 1964 das Gebäude zuerst als Knabenschule und dann als Realschule.
1935 zeichnete sich dann ab, bzw. dies waren auch Maßnahmen der Nationalsozialisten, dass dieses Zwischengeschoss nun mehr als Wohnung für einen Hausmeister einzurichten sei.
Somit bewarb sich Sebastion Garner um diese Stelle und seine Ehefrau Anna wurde als Reinigungskraft mit eingestellt, später sogar als Hausmeisterin. Das Ehepaar Garner stammte ursprünglich nicht aus Burgau.
 
     
Sebastian (1892 – 1985) und Anna Garner (1892-1947)
 
Familie Garner im Schloss und im Schlosshof ca. 1941
Ehepaar Garner vor dem Schlosseingang 1937
Damit schließt sich die Geschichte der Familie Garner als erstes Hausmeisteeherpaar im Burgauer Schloss. Das Beschäftigungsverhältnis wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum 1. September 1946 beendet.
Danach zog die Familie Garner in die Höhlstraße, später zog Sebastian Garner, nachdem seine Ehefau Anna 1947 verstorben war, mit seiner in Deutschland verbliebenen Tocher Agnes Weiser, geb. Garner, in die Luisenstaße in Burgau.
Aber noch einmal zurück zu den Töchtern Leni und Resl Garner. Beide Frauen entschieden sich dann in den 1960iger Jahren des letzten Jahrhunderts nach Kanada auszuwandern. Karolina oder Leni wie sie von ihrer Familie genannt wurde ging als erste der Garner-Kinder nach Übersee und fand dort auch ihren Mann, der im Übrigen noch hochbetagt (98) in Kanada lebt.
Restl Garner, heiratete noch in Deutschland und folgte ihrer Schwester ebenfalls nach Kanada. Nachdem alle beiden Schwestern nur Gutes aus dem fernen Amerika berichteten entschloss sich dann auch ihr Bruder Georg dorthin auszuwandern. Er ging allerdings in die USA und fand dort auch seine Frau fürs Leben.
Leni Garner hatte zwei Töchter und Kimberley, eine Enkeltochter von ihr, beschloss nun zusammen mit ihem Mann Mark Frawley aus Bownanville Ontario in Kanada,  auf ihrer Hochzeitsreise sich auch auf die Spuren ihrer Vorfahren zu begeben und unter anderem Burgau einen Besuch abzustatten. Da Frau Polidar viele, viele Jahre bis zum Tod von Agnes Weiser (Großtante von Kimberley) ihre Nachbarin war, blieb sie bis zum heutigen Tag für alle amerikanischen Nachkommen der Garners die “Burgauer” Ansprechpartnerin.
   
Leni Garner oder “Oma Caroline”  (1929-2021) als junges Mädchen in Burgau
Am Sonntag, den 17. Mai 2026 durften wir dann Kimberley und Mark kennenlernen. Beide sprechen nur Englisch, aber dank alter Englischschulkenntnisse und dank der modernen Erfindung eines Handys mit Übrsetzerfunktion konnten wir alle wichtigen und auch lustigen Geschichten der Familie Garner und des Burgauer Schlosses austauschen.
 
Irmgard Gruber-Egle, Mark und Kimberley Frawley, Marianne Polidar
 
Wir besichtigten diese ehemalige Hausmeisterwohnung, die sie bis zur Auflösung als Schule auch weiterhin blieb, heute Verwaltungsäume des Museums, natürlich auch das Museum unserer Stadt und machten einen kleinen Stadtrundgang. Begleitet wurden wir von Frau Marianne Polidar und Herrn Alois Egle.
Kimberley Frawley schwärmte von ihrer Grandma Caroline (Leni) und wollte zum Beispiel auch den Schlossgarten sehen. Denn ihre Großmutter erzählte ihrer kanadischen Familie, dass ihre Familie vor und während des zweiten Weltkriegs in diesem Garten alles anbauen konnte, wie Kartoffel, Gemüse und es gab dort Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume, sie hatten damit alles, was man in diesen Jahen zum Überleben brauchte.
Da an diesem 17. Mai 2026, auch der Internationale Museumstag war, konnten wir uns, dank der Genehmigung unserer Museumsleiterin Frau Dr. Holl-Enzler, ungestört im Schloss und Museum bewegen.
Dafür danken wir allen Beteiligten, auch dem Kultuamt Herrn Dr. Siemons und Frau Marianne Polidar, für die großartige Unterstützung und beschlossen daraufhin, dass wir Ihnen liebe Leser von Burgau aktuell diese nette und sehr interessante Burgauer Familiengeschichte nicht vorenthalten wollen.
 
Text: Irmgard Gruber-Egle, 
Bilder: Historischer Verein Burgau Stadt und Land e.V., Alois Egle, Frau Marianne Polidar
 
Irmgard Gruber-Egle
Historischer Verein
Burgau Stadt und Land e. V. 
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